Schüssel mit buntem Nachtisch

Nieder mit der Langeweile!

31. Juli 2017|Posted in: Allgemein, Texte

Langeweile ist eigentlich ein Fremdwort für mich. Ich meine, wer von uns kann sich diesen Luxus schon erlauben! Langeweile bedeutet ja Untätigkeit, und niemand von uns ist untätig. Wir haben alle ständig etwas zu tun: Job, Haushalt, Kinder, Freunde – jeden Tag stehen wir vor hunderten von Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. Wenn wir zwischendurch mal fünf Minuten Zeit finden, einen Kaffe zu trinken oder uns aufs Sofa zu setzen und durchzuatmen, dann plagt uns nicht Langeweile, sondern eher ein schlechtes Gewissen, weil es doch noch so viel zu tun gäbe…

Aber halt! Ich meine gar nicht die Langeweile der Untätigkeit. Es gibt nämlich noch eine andere Form der Langeweile, und die ist schleichender Natur und möglicherweise noch viel schädlicher für uns: Es ist die Langeweile der Routine.

Denk mal darüber nach. Jeden Tag stehen wir zur selben Zeit auf, ziehen uns an, frühstücken, machen unsere Kinder fertig, gehen aus dem Haus, fahren dieselbe Strecke zur Arbeit, sehen dieselben Menschen, erledigen dieselben Handgriffe. Einmal die Woche essen wir Nudeln mit Tomatensauce, immer sonntags holen wir frische Brötchen vom Bäcker, Donnerstagabend Pizza vom Lieferservice. Mittwochs ist Stammtisch, immer in derselben Kneipe mit denselben Leuten. Einmal im Jahr feiern wir Geburtstag, es gibt den einen Sekt, den wir so mögen, und jedes Jahr an Weihnachten hängen dieselben Lichterketten am Baum…
Ok. der Jahresurlaub geht mal nach Mallorca und mal nach Thailand – das ist doch etwas ganz anderes, oder? Natürlich. Aber es sind nur zwei Wochen im Jahr – im Gegensatz zu den 50, die nach der immer selben Routine ablaufen.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die eine solche Rountine lieben und gut mit ihr zurecht kommen. Ich freue mich für sie. Ich gehöre aber nicht dazu. Ich stehe jeder Art von Routine äußerst skeptisch gegenüber. Ja, auch ich brauche gewisse Rituale, Dinge, die täglich, wöchentlich oder jährlich wiederkehren und die mir helfen, mein Leben zu strukturieren. Aber genauso brauche ich auch Abwechslung, brauche Neues und Unbekanntes und manchmal sogar Dinge, vor denen ich zuerst Angst habe, die ich mich dann aber doch traue zu tun – und die mich glücklich machen. Wenn ich keine Abwechslung in meinem Alltag habe, fangen auch meine Gedanken an, sich im Kreis zu drehen. Und meistens startet für mich so die Abwärtsspirale ins Negative. Ich habe lange gebraucht, bis ich das verstanden habe, aber immer wiederkehrende Routine macht mich tatsächlich depressiv. Der geniale Maler Vincent van Gogh hat das Phänomen wunderbar ausgedrückt:

Die Normalität ist eine gepflasterte Straße;
man kann gut darauf gehen –
doch es wachsen keine Blumen auf ihr.

Vincent van Gogh

Die Blumen – das Schöne, das Außergewöhnliche, das Bunte und letztlich die Würze des Lebens – findet man nicht in der Langeweile der Routine, sondern nur, wenn man von den eingetretenen Pfaden abweicht. Wie das geht? Das Zauberwort heißt Abwechslung, im Kleinen wie im Großen. Zur Abwechslung mal ein anderes Shampoo kaufen als das gewohnte. Einen anderen Weg zur Arbeit aussuchen – und wenn er fünf Minuten länger ist – egal, denn man entdeckt bestimmt etwas Neues! Möglichst oft Spaziergänge in der Natur machen, denn die Natur verändert sich immer und ist nie gleich. Neue Kochrezepte ausprobieren und neue Zutaten. In eine Kneipe gehen, in der man noch nie war. Und manchmal spontan irgendwelche verrückten Dinge tun, von denen man zwar nicht sicher ist, ob sie wirklich gut sind – aber zumindest sind sie neu und anders. Sich zum Beispiel bei der nächsten Volkhochschule anmelden, um ein neues Instrument zu erlernen oder eine neue Sprache.

Ich weiß, der Sprung aus der Komfortzone heraus kann schwer sein (lies dazu den Beitrag Mut ). Die Angst vor dem Unbekannten und vor dem möglichen Versagen hält einen oft zurück, und dann denkt man, Routine ist doch gar nicht soooo schlecht… Aber wenn man sich einmal getraut hat, merkt man erst, wie wohltuend die Abwechslung sein kann, wie lebendig man sich plötzlich wieder fühlt, wie erfrischt Geist und Körper sind.

Also: Nieder mit der Langeweile – es lebe die Abwechslung!

Chris

Hallo, ich heiße Christine und bin die Begründerin dieses Blogs. Ich poste hier Texte, Gedichte und Bilder zu der Frage, wie man seine Herzenswünsche entdecken und das Leben leben kann, das uns ganz persönlich glücklich macht. Ich würde mich freuen, wenn du meinen Blog abonnierst und mir auch mal Kommentare zu meinen Beiträgen sendest!

2 Comments

  1. Bhavani
    1. August 2017

    Leave a Reply

    Sehr gut geschrieben.. Abwechslung egal groß oder klein macht das Leben noch lebendig..

    • Chris

      Chris
      1. August 2017

      Leave a Reply

      Danke, liebe Bhavani! Es freut mich, dass dir der Text gefällt.

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