Inneres einer Höhle

Der Abgrund meiner Seele

19. Juli 2017|Posted in: Allgemein, Gedichte, Texte

Der Abgrund meiner Seele…

Wie eine riesige Wunde klafft er vor mir. Hässlich. Schwarz. Unüberbrückbar.
Endlos in beide Richtungen.
Auf der anderen Seite – da liegt alles Gute. Liebe. Freude. Glück. Sicherheit.
Unerreichbar fern.
Auf dieser Seite jedoch… Probleme. Trauer. Schmerz. Hindernisse. Wut.

Ich sehe keine Brücke. Keine Möglichkeit, von der einen Seite zur anderen zu gelangen.
Verzweifelt stehe ich hier und kann nur gierige Sehnsucht auf die andere Seite werfen.

Kennst du das?
Der Abgrund der Seele.
Man denkt, man wird es nie schaffen. Man denkt, das Schöne im Leben ist unerreichbar. Nur für die anderen, nicht für mich.

Ich stand schon oft dort, am Abgrund. Und ich stehe immer wieder dort.
Mein Lebensweg scheint mich im Kreis zu führen, ein Zyklus, dessen Ziel immer wieder dieser Blick ins Bodenlose ist.
Gibt es keinen Ausweg für mich? Bin ich dazu verdammt, immer wieder hier zu stehen und zu erschauern vor dem unüberbrückbaren Abgrund? Ist das mein Los?

Warum also? Warum sollte ich diesen Kreislauf weiter durchlaufen wollen?
Welchen Sinn hat ein solches Dasein?
Warum stürze ich mich nicht gleich hinein in die grausame Finsternis und beende diese Verzweiflung?

Weil… weil mich meine Tochter in den Arm nimmt und sagt, dass sie mich liebt. Und weil mich heute auf der Straße eine Unbekannte angelächelt hat. Weil die Sonneblume im Garten aufgegangen ist und schöner strahlt als die Sonne. Und weil ich den unübertroffenen Geschmack der heranreifenden eigenen Tomaten nicht verpassen will.

Und während ich all diese Dinge sehe, die schön und gut sind in meinem Leben, merke ich, dass der bodenlose Abgrund in meiner Seele kleiner wird. Wenn ich genügend Anlauf nehme, kann ich ihn vielleicht schon überspringen. Und je mehr schöne Dinge in meinem Leben ich sehe, desto kleiner wird er, desto enger der Spalt, bis es nur noch eine Rinne ist – immer noch bodenlos, aber ich kann nicht mehr hineinfallen. (Lies dazu den Beitrag „Die kleine Freude)

Meine Sorgen sind nicht weniger geworden, meine Ängste werden mich wieder anfallen, vielleicht schon heute Nacht, wenn es dunkel und still ist und das Schöne wieder unerreichbar fern scheint. Ich werde wieder und wieder vor diesem Abgrund stehen, er wird nie aus meinem Leben verschwinden. Aber ich lerne, damit umzugehen. Ich lerne, dass es die kleinen Dinge sind, die alltäglichen winzigen Freuden, die den finsteren Abgrund meiner Seele in Schach halten. Irgendwann wird er mich vielleicht verschlingen. Irgendwann werde ich vielleicht nicht mehr widerstehen und hinabspringen.
Aber nicht heute.
Nicht heute.
Denn es gibt noch so viel Schönes zu sehen!

 

Versuchung

von Christian Morgenstern

Ich stand an einem Abgrund still
und sah hinab und sprach mich an: –
Hinab, Unsterblicher, wohlan!
Es kostet dich nur ein „Ich will“.

Gott schläft hier ein, Gott wacht dort auf, –
so sprachst du selbst. Wohlan! Schlaf ein!
Nicht einen Nu erlischt dein Sein,
denn Form nur gibst du in den Kauf…

– Mein Tagwerk ist noch nicht vollbracht.
Wer an der Schale sich vergreift,
bevor sie ihren Kern gereift, –
er schläft zu früh ein – und erwacht –
zu spät.

Chris

Hallo, ich heiße Christine und bin die Begründerin dieses Blogs. Ich poste hier Texte, Gedichte und Bilder zu der Frage, wie man seine Herzenswünsche entdecken und das Leben leben kann, das uns ganz persönlich glücklich macht. Ich würde mich freuen, wenn du meinen Blog abonnierst und mir auch mal Kommentare zu meinen Beiträgen sendest!

Leave a Reply


You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*