Schaue nicht zurück!

6. August 2015|Posted in: Allgemein, Texte

Kennst du das?
Du hast dich lange Zeit – viel zu lange, denkst du im Nachhinein – auf eingefahrenen Bahnen bewegt. Vielleicht ein Job, der dich nirgendwohin geführt hat außer in die graue Langeweile; ein Partner, der dich schon lange nur noch respektlos und desinteressiert behandelt; eine Wohnung, in der die Wände schimmeln und das Klo dreimal wöchentlich verstopft. Schon lange hast du dich nicht mehr wohl gefühlt, ja vielleicht warst du sogar richtig unglücklich. Aber irgendwie ging es immer weiter, derselbe Trott, dieselbe Monotonie, dieselbe Qual.
Und dann, eines Tages, vielleicht durch einen äußeren Auslöser, vielleicht durch einen inneren Antrieb, schaffst du den Absprung. Du durchbrichst das Einheitsgrau, du löst dich von Fesseln, die dich eingeengt, ja regelrecht in dein Fleisch geschnitten haben. Du  kündigst den trantütigen Job; du trennst dich von dem demütigenden Partner; du ziehst aus der Wohnung des Grauens aus.
Es dauert eine Weile, bis du dich gesammelt hast. Es gibt so viel zu organisieren, so viel zu bedenken, so viel zu tun. Du musst dich im neuen Job einarbeiten und das fällt dir nicht so leicht, wie du erhofft hattest; du musst ein Leben ohne den langjährigen Partner organisieren und das kostet richtig Kraft; du musst tapezieren, streichen, Laminat verlegen, Möbel kaufen.
Solange du all diese Dinge tust, bist du gestresst und kommst nicht zum Nachdenken. Das ist auch gut so. Lass deinen Körper schaffen. Lass ihn müde sein, ausgelaugt, schwer. Es muss so sein.
Doch dieser Stress geht vorüber. Irgendwann wird auch die neue Situation zur Gewohnheit. Du bekommst langsam den Durchblick im neuen Job und brauchst nicht mehr alle drei Minuten den Kollegen zu nerven; die Geldfragen sind geregelt, die Gütertrennung vollzogen, die Bindung zum alten Partner ist gelöst; der letzte Schrank ist aufgebaut, das letzte Regalbrett montiert, der Teppich fertig verlegt.
Jetzt – ja, jetzt spürst du, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast. Du merkst, wie dir die Veränderung gut tut. Jetzt könnte eigentlich alles wunderbar sein! Jetzt bist du frei von dem, was dich gequält hat, jetzt kann endlich ein neues, besseres Leben beginnen… Oder doch nicht?
Denn jetzt plötzlich hast du auch Zeit zum Nachdenken. Und auf einmal mahlen die Gedankenmühlen unerbittlich los. Dein Körper hat jetzt nämlich endlich Zeit und freie Ressourcen, um all die Gefühle heraus zu lassen, die er in den letzten Wochen aus Stress zurückgedrängt hatte. Und das kann heftig sein.

Da sind nicht nur Trauer und Bedauern, sondern auch Wut, Ärger und Zorn. Aber nicht nur auf den alten blöden Chef, der dir dein Leben so schwer gemacht hat; nicht nur auf den respektlosen Partner, der dich so lieblos behandelt hat; nicht nur auf den alten Vermieter, der so unverschämt war, für seine längst sanierungsbedürftige Bude auch noch eine Mieterhöhung zu fordern. Nein, der Frust und Ärger, die jetzt hoch kommen, gelten in den allermeisten Fällen – dir selbst!

Dein innerer Zensor legt dann so richtig los. Wie konntest du nur so unglaublich blöd sein, so lange in einer derart erniedrigenden Position zu verharren, fragt er dich mit anklagendem Zeigefinger und erhobenen Brauen. Wieso bist du nicht schon vor Jahren ausgebrochen? Wie konntest du nur so dumm sein, so viele Jahre deines Lebens mit diesem öden Job, mit diesem miesen Partner, in dieser modrigen Wohnung zu verbringen? Wie konnte dein eigenes Wohlergehen dir so wenig wert sein, dass du nicht schon vor Ewigkeiten aus diesen schlechten Verhältnissen ausgebrochen bist? Siehst du nicht, wie gut es dir jetzt geht? Das hättest du schon vor Jahren haben können! Aber nein, stattdessen musstest du ja unbedingt in dieser Gewohnheitsschiene verharren. Nur nichts verändern, es könnte ja auch schlimmer werden statt besser! Nur nicht wegbewegen vom Altbekannten, wer weiß, was nachkommt…

Und so weiter und so fort. Unser innerer Zensor ist sehr einfaltsreich, wenn es darum geht, uns zu beschimpfen. Und er kann das ewig tut, er hat eine beeindruckende Ausdauer.
Tatsache ist, dass du in den letzten Jahren viel Frust und Ärger aufgestaut hast. Dir war schon lange klar, dass du hier nicht glücklich werden kannst. Aber dir hat der Mut gefehlt; der Mut, den Schritt heraus aus der Komfortzone zu machen. Der Mut, ins Unbekannte durchzustarten.
Jetzt hast du es endlich gewagt, und es hat sich gelohnt – doch begehe nicht den Fehler, nun nach hinten zu schauen! Das, was in den letzten Monaten oder Jahren passiert ist, ist vorbei. Was gestern war, oder vor drei Wochen oder vor einem Jahr, hat nur noch dann einen Einfluss auf dein heutiges Leben, wenn du das zulässt.
Du kannst dich entscheiden, dich selbst dafür zu zerfleischen, dass du so lange gebraucht hast, um diesen Schritt zu gehen. Aber damit bindest du dich an die Vergangenheit. Das nützt dir nicht.
Du lebst nur im Jetzt. Und genau jetzt kannst du beschließen, einen Schlussstrich zu ziehen. Einen fetten, langen Strich, der deine Vergangenheit von deiner Zukunft trennt. Du bist den Schritt gegangen, du hast den Mut gehabt. Lobe dich dafür! Liebe dich dafür! Sei dir selbst unendlich dankbar dafür! Und alles, was dich in diese dunkle, unangenehme Vergangenheit zurückziehen möchte, das lass los! Lass es fallen, als hättest du dir die Hände daran verbrannt, als wäre es hochgiftig – denn das ist es auch!
Anstatt dein Leben mit Selbstvorwürfen zu vergiften, fülle es mit einer tiefen Dankbarkeit. Sei dankbar, dass du den Absprung geschafft hast, dass du Freiheit gewonnen hast, dass sich deine Lebensumstände verbessert haben.

Bleibe nicht in der Vergangenheit hängen, und vor allem befreie dich von den Selbstvorwürfen. Stopf dem inneren Zensor das Maul, indem du ihm ins Gesicht lachst. Und genieße dein neues Leben im Jetzt und Hier.

 

Chris

Hallo, ich heiße Christine und bin die Begründerin dieses Blogs. Ich poste hier Texte, Gedichte und Bilder zu der Frage, wie man seine Herzenswünsche entdecken und das Leben leben kann, das uns ganz persönlich glücklich macht. Ich würde mich freuen, wenn du meinen Blog abonnierst und mir auch mal Kommentare zu meinen Beiträgen sendest!

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