Berggipfel

Der Berg vor mir

24. März 2015|Posted in: Allgemein, Texte

Ich stehe vor einem Berg von Problemen. Unüberwindbar sieht er aus. Je näher ich ihm komme, desto größer erscheint er mir. Er wächst mit jedem Schritt, den ich auf ihn zugehe. Von jeder Seite kommt noch ein Problem hinzu, und noch eins, und noch eins. Bis er schließlich so hoch vor mir aufragt, dass ich nur noch zitternd auf die Knie fallen kann und mit Tränen in den Augen denke: „Niemals werde ich es schaffen, da drüber zu kommen. Niemals!“ Ich senke den Kopf und verliere alle Kraft. Ich möchte aufgeben.

Kennst du dieses Gefühl? Es ist wie eine Paralyse. Man möchte oder muss etwas Neues in Angriff nehmen, weil der alte Weg nicht mehr ausreicht, oder weil er einfach zu Ende ist. Aber dieser neue Weg macht uns Angst, schreckliche Angst. Denn wir sind nur noch in der Lage, die Probleme zu sehen, die uns erwarten. Dabei müssen die Probleme nicht einmal in Wirklichkeit vor uns stehen. Es reicht schon, wenn wir sie uns ausmalen.
„Bestimmt wird das nicht klappen. Weil ich ja auch dies und jenes noch nicht getan habe. Dies kann ich aber auch erst tun, wenn ich das andere da erledigt habe. Aber um das andere zu erledigen, muss ich erst noch jenes fertigmachen. Aber dazu fehlt mir das Geld/das Wissen/das Vitamin B…“
Solche Dialoge spielen sich dann in unseren Köpfen ab, erfüllen uns ganz. Weil wir das eine noch nicht habe, können wir unmöglich das andere machen, und weil wir aber glauben, das eine sowieso nicht kriegen zu können, stehen wir da, bewegungsunfähig.
Ein solcher Zustand ist schlimmer als die Hölle. Denn hinter diesem Berg von Problemen, davon sind wir absolut überzeugt, dort liegt die Freude, das gute Leben, unsere hell schimmernde Zukunft. Aber dort werden wir nie hingelangen, denn bis wir diesen Berg erklommen haben, werden wir alt und verbraucht sein. Falls wir es überhaupt schaffen, die erste Anhöhe zu bewältigen.

Einige Menschen gehen einem solchen Zustand lieber aus dem Weg. Wenn sie denken, der Problemberg würde zu groß, dann machen sie eine lässige Handbewegung. „Ach, eigentlich wollte ich ja gar nicht dorthin! Ich bin nur zufällig hier vorbeigekommen – aber ich denke, ich gehe wieder dorthin zurück, wo ich war.“ Und sie kehren dem Berg, aber damit auch der hellen Zukunft dahinter, den Rücken zu und gehen in ihre festgefahrene Komfortzone zurück.
Das ist einfach.
Aber es bringt uns nicht weiter. Und außerdem kann nicht jeder zurück. Für manche gibt es kein Zurück, weil der Ort, von dem sie kommen, nicht mehr existiert. Für diese Menschen gibt es dann zwei Möglichkeiten: Entweder vor dem Berg an Problemen sitzen zu bleiben und zu verzweifeln. Oder aufzustehen und den ersten Schritt zu machen, den ersten Meter zu erklimmen.

Auch wenn ich Angst dabei haben; auch wenn ich denke, es nicht zu schaffen; auch wenn mir das Herz bis zum Hals schlägt und ich ständig das Gefühl habe, gleich herunterzufallen: Ich gehe weiter, setze den ersten Fuß auf den riesigen Berg. Ich fange einfach irgendwo an, ganz egal wo.
Ich bilde mir ein, mir fehlt da etwas? Und wenn schon! Ich fang einfach ohne das an! Wenn ich es wirklich brauche, werde ich es unterwegs finden, oder ich hole es nach. Und vielleicht stellt sich ja sogar heraus, dass ich es gar nicht benötige!
Ich denke, ich schaffe etwas anderes nicht, weil ich nicht stark genug bin? Ich gehe trotzdem und gebe einfach mein Bestes! Vielleicht begegnet mir unterwegs jemand, der mir weiterhilft. Oder es stellt sich raus, dass die Aufgabe in Wirklichkeit viel leichter ist, als sie von unten aussah.

Ich bin mutig! Ich gehe Schritt für Schritt, achte nicht auf die Tausenden von Bedenken und Ängsten, die mein Kopf mir vorgaukeln will. Vielleicht falle ich ja mal hin, aber dann steh ich eben wieder auf. Vielleicht finde ich eine Route, die nicht weiterführt. Aber dann kann ich umkehren und eine andere suchen. Denn es gibt viele Wege auf diesen Berg, das sehe ich nun, jetzt, da ich mit dem Besteigen begonnen habe. Und ich merke, dass ich gar nicht alleine bin! Da sind Freunde an meiner Seite, da tun sich plötzlich Gelegenheiten auf, die ich vorher nicht bemerkt habe, ich lerne Menschen kennen, die sogar ein Stück des Weges mit mir gehen, und wir stützen uns gegenseitig.

Und plötzlich, ganz unerwartet, bin ich oben angekommen. Alle Schwierigkeiten sind überwunden, alle Probleme haben eine Lösung gefunden. Ich bin da, ganz oben. Und vor mir erstreckt sich das helle Tal, mein Ziel. Während ich dort oben stehe und in das Tal hinabblicke, werde ich von stolz erfüllt. Stolz auf mich, weil ich es geschafft habe. Weil ich etwas, das mir unmöglich erschien, möglich gemacht habe.
Ich gehe hinab in das Tal, und dabei merke ich, dass der Berg gar nicht so hoch war, wie ich auf der anderen Seite noch dachte. Ja, eigentlich ist es gar kein richtiger Berg gewesen, mehr ein schwieriger Hügel… Ich gehe weiter, genieße die Sonne, die Blumen am Wegrand, den Hauch des Windes. Und als ich mich umblicke, stelle ich mit einem Lächeln auf den Lippen fest, dass der Berg wirklich kein Berg war, nicht einmal ein Hügel: Es waren nichts als ein paar Steine auf dem Weg, die mich kurz stolpern ließen.
Mit Freude und Dankbarkeit im Herzen gehe ich meinen Weg.

 

 

Chris

Hallo, ich heiße Christine und bin die Begründerin dieses Blogs. Ich poste hier Texte, Gedichte und Bilder zu der Frage, wie man seine Herzenswünsche entdecken und das Leben leben kann, das uns ganz persönlich glücklich macht. Ich würde mich freuen, wenn du meinen Blog abonnierst und mir auch mal Kommentare zu meinen Beiträgen sendest!

1 Comment

  1. Helfen macht glücklich - Schwesterseele - […] in denen ich nicht mehr weiter wusste. Oder in denen meine Probleme übermächtig erschienen, der Berg vor mir einfach…

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